Gemeinsame Website von:

Förderverein "Park Hohenrode" e.V.

Bürgerstiftung Park Hohenrode

historische Parkanalage mit bedeutender dendrologischer Sammlung
Ludwig Bohnstedt

Ludwig Bohnstedt

(1822-1885)

Architekt der Villa Hohenrode

Für die Planung seiner Villa beauftragte Carl Kneiff Ludwig Bohnstedt, den damals wohl berühmtesten Architekten des Deutschen Reiches. Bohnstedt erhielt für seinen Entwurf des Berliner Reichtagsgebäudes im Jahr 1872 im Rahmen eines ausgelobten Wettbewerbes den ersten Preis. Dadurch wurde er zu einem gefragten Architekten und erhielt zahlreiche Aufträge.

Allerdings übertrug man ihm nicht den Bau des Berliner Reichstages, sondern lobte 10 Jahre später einen neuen Wettbewerb aus. Die spätere Ablehnung seiner Arbeiten und seiner Person, insbesondere durch den Berliner Architektenverein, als auch eine von ihm nicht nachvollzogene Änderung im Geschmack der damaligen Auftraggeber ließ ihn verbittert 1885 in Gotha sterben.

Biographie

Der 1822 in St. Petersburg geborene Ludwig Bohnstedt entstammte einer Kaufmannsfamilie. Nach Beendigung seiner Schulausbildung 1839 reiste Ludwig Bohnstedt nach Berlin, um dort an der Allgemeinen Bauschule eine Ausbildung zum Architekten zu beginnen. Diese Lehrstätte stand damals unter der Leitung Karl Friedrich Schinkels (1781-1841); Bohnstedt hat vermutlich jedoch nie eine Unterweisung durch Schinkel selbst erhalten, sondern wurde von dessen Schüler Wilhelm Stier (1799-1856) ausgebildet. Während seines Architekturstudiums in Berlin nahm Bohnstedt auch Unterricht im Landschaftszeichnen und der Landschaftsmalerei. Von Herbst 1841 bis Ende 1842 begab er sich auf eine Italienreise, von der neben Architekturstudien auch zahlreiche Landschaftsskizzen erhalten sind.

1843 ging er wieder nach St. Petersburg zurück und erwarb an der dortigen Akademie der Künste den Titel "Freier Künstler", was ihn zum Entwurf und zur Ausführung von Bauten unter eigenem Namen berechtigte. Ab 1848/49 bearbeitete Bohnstedt dann zahlreiche und verschiedenartige Aufträge. Nach wie vor widmete er sich in Aquarellen der Landschaftsmalerei.

Neben seiner Tätigkeit für die Großfürstin Helena Paulowna , für die er eine Renovierung und Umgestaltung der Anlagen auf der Steininsel in St. Petersburg und in Oranienbaum durchführte (1851-53), war er als beamteter Oberarchitekt für Straßen und Wasserwege sowie für öffentliche Bauten zuständig (1851-53). Beide Arbeiten legte Bohnstedt 1853 nieder und beteiligte sich in den nachfolgenden Jahren verstärkt an Wettbewerben innerhalb und auch außerhalb Russlands.

Im Herbst 1863 siedelte Bohnstedt mit seiner Frau Olga und den sieben Kindern von St. Petersburg nach Gotha über. Offenbar hatte der als schwierig geltende Architekt, der sich auch im Dissens mit der einflußreichen St. Petersburger Akademie der Künste befand, dort keine Möglichkeit mehr, ausreichend Aufträge zu erhalten.

Bohnstedt erwarb in Gotha ein Haus und übte seinen Beruf zunächst im Wesentlichen als Senator für das Bauwesen im Stadtrat aus. Da er in Deutschland nicht sehr bekannt war und ihm aus der unmittelbaren Umgebung nur wenige kleinere Aufträge zuflossen, beteiligte er sich weiter an nationalen und internationalen Wettbewerben, überwiegend für öffentliche Bauten. Mit der Errichtung einer Villa für den Dichter Fritz Reuter in Eisenach ab 1866 (Website von Eisenach) begann Bohnstedts Villenbautätigkeit in Deutschland, die nach 1872 starken Aufschwung nahm.

Ab 1866 veröffentlichte Bohnstedt in der im selben Jahr gegründeten Architekturzeitschrift "Deutsche Bauzeitung" zahlreiche Artikel zu architekturtheoretischen Fragen.

1871 beteiligte er sich am Wettbewerb für das Reichstagsgebäude, das nach dem Sieg von Sedan (1870) und der Einigung des Deutschen Reiches (1871) einen besonderen Stellenwert unter den Symbolen nationalen Stolzes einnehmen sollte. 1872 erhielt Bohnstedt den ersten Preis für seine Entwürfe (http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:ReichstagBohnstedt.jpg). Daraufhin wurde er in der allgemeinen Presse und Fachzeitschriften als "des Reichs erster Baumeister" und "größter lebender Architekt" gefeiert und in der Folge mit Aufträgen für öffentliche und private Bauten im In- und Ausland förmlich überschüttet. Er beteiligte sich trotz dieser intensiven Bautätigkeit auch weiterhin an Wettbewerben und zeigte seine Entwürfe auf verschiedenen großen Ausstellungen, unter anderem 1873 auf der Weltausstellung in Wien.

Natürlich hoffte er, die Ausführung des Berliner Reichstages übertragen zu bekommen und bearbeitete sein Projekt fast das ganze folgende Jahrzehnt, um die geforderten Abänderungen vorzunehmen, ohne schließlich jedoch eine Umsetzung zu erreichen. Nicht zuletzt wegen der Ablehnung seiner Person durch den Berliner Architektenverein wurde schließlich 1882 ein neuer Wettbewerb für das Reichstagsgebäude ausgeschrieben, bei dem Bohnstedt wie zu erwarten - keinen Preis - errang.

Zu dieser Ablehnung seines Werkes und seiner Person einerseits, kam andererseits eine Änderung im Geschmack der damaligen Auftraggeber. Der am Klassizismus und der italienischen Renaissance orientierte Stil Bohnstedts wurde als zu unaufwendig und wenig repräsentativ empfunden.

In dieser Situation erlitt er 1883 einen Schlaganfall, der schließlich 1885 zum Tod Bohnstedts führte.